Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Tiere
Aus wirtschaftlichen Überlegungen werden die meisten
Nutztiere ihr Leben lang unter qualvollen Bedingungen gehalten.
Die geltenden Tierschutzgesetze - wo es solche überhaupt
gibt - schützen häufig vor allem die Heimtiere
vor der Willkür des Menschen. Bei den Nutztieren müsste
man eigentlich leider von einem Tierhalterschutzgesetz
sprechen: Es legalisiert auf weiten Strecken die heute üblichen
(und üblen) Praktiken der Intensivhaltung. Und selbst
diese Minimalvorschriften der Tierschutzgesetze und Verordnungen
werden in der Praxis regelmässig missachtet - und
die Missstände von den Behörden ebenso regelmässig
toleriert, auch in der Schweiz.
So sind auch in der schweizerischen Nutztierindustrie beispielsweise
folgende Szenarien noch immer keine Seltenheit:
- Einzelhaft in Käfigen, Isolation von den Artgenossen:
sehr häufig bei Kaninchen
- enge Käfige oder Buchten, massive Bewegungseinschränkungen
z.B. durch Kälberboxen oder Kastenstände
- Spaltenböden, glitschiger und einstreuloser Untergrund
- Dunkelhaltung, kein Tageslicht
- dauernde Anbindehaltung: sehr oft bei Milchkühen,
häufig aber auch bei Pferden
- stundenlange Tiertransporte quer durch die Schweiz
- vollständige Missachtung der natürlichen Sozialstrukturen,
z.B. Trennung von Milchkuh und Kalb gleich nach der Geburt,
elternlose Aufzucht von Küken, Geflügelhaltung
in hundert- oder tausendfach zu grossen Gruppen, Mast von
Schweinen ausserhalb des Familienverbands usw.
Wer denkt, die schlimmen Zustände
der industriellen Tierhaltung gibt es nur im Ausland, der
irrt. Auch in der Schweiz ist man von einer artgerechten
Nutztierhaltung noch weit entfernt.
Für die artwidrige Umgebung der Intensivhaltung werden
viele Nutztiere regelrecht zurecht gestutzt: Rindvieh wird
enthornt, Ferkeln werden die Eckzähne ausgebrochen und
Schwänze abgeschnitten, Küken werden die Schnäbel
gestutzt, Lämmern die Schwänze coupiert und die meisten
männlichen Nutztiere kastriert - bei Ferkeln
legal ohne Betäubung oder Narkose. Durch einseitige Zuchtwahl
und durch gentechnische Manipulationen werden Nutztiere immer
mehr den Bedürfnissen des Marktes angepasst. Das Resultat
sind unter anderem die sog. Qualzuchten. Hier ist Leiden vorprogrammiert,
auch unabhängig von den (zusätzlich belastenden)
Haltungsbedingungen: Tiere nehmen so schnell an Gewicht zu,
dass das tragende Knochengerüst im Wachstum nicht Schritt
halten kann. Kühe geben zu viel Milch, Hühner legen
zu viele Eier, Schweine bekommen zu schnell zu viele Junge
... all das hat seine negativen Auswirkungen auf das Wohlbefinden
der betroffenen Individuen.
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